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Rechtsanwaltskanzlei

FAQ

Rechtsanwalt in Polen

In Polen gibt es zwei rechtsberatende Berufsgruppen, die die Funktion eine Rechtsanwalts im deutschen Verständnis ausüben:

1. Der Adwokat (polnischer Rechtsanwalt)
2. Radca Prawny (polnischer Rechtsberater, im Weiteren der Rechtsanwalt in Polen)

Weitere juristische Berufe in Polen

Die weiteren juristischen Berufe in Polen sind:  

1. Staatsanwalt (Prokurator)
2. Richter (Sedzia)
3. Notar (Notariusz)
4. Gerichtsvollzieher (Komornik)

Die polnische Juristenausbildung

Anders als in Deutschland gibt es in Polen keine einheitliche juristische Qualifikation (in Deutschland: "Befähigung zum Richteramt") welche zur Ausübung sämtlicher juristischer Berufe, darunter des Rechtsanwalts in Polen, berechtigen würde.

Juristenausbildung in Polen

Die Juristenausbildung verläuft, wie in Deutschland, zweistufig: 

1. Funfjähriges Jurastudium, Abschluss: Magister des Rechts: Das Jurastudium ist allgemein und umfasst alle relevanten Rechtsgebiete. Eine größere Spezialisierung findet während des Studiums nicht statt. Während des Studiums besteht der Student Prüfungen in Pflichtfächern. Sind alle Pflichtfächer bestanden, schreibt der Student eine Magisterarbeit, welche er mündlich verteidigt. Eine abschließende Klausurenprüfung wie in Deutschland findet nicht statt.

2. Referendariat (Aplikacja): Im Unterschied zu Deutschland absolviert jede der obengenannten Berufsgruppen ein spezialisiertes Referendariat. Das heißt, es gibt jeweils ein spezielles Referendariat für den polnischen Rechtsanwalt (36 Monate), den polnischen Rechtsberater (36 Monate), den Staatsanwalt (30 Monate), den Richter (48 Monate), den Notar (42 Monate), den Gerichtsvollzieher (24 Monate).

Um in das jeweilige Referendariat aufgenommen zu werden, muss der Kandidat einen anspruchsvollen Aufnahmetest bestehen. Im Unterschied zu Deutschland hat der Absolvent eines Jurastudiums keinen Anspruch auf Aufnahme in das Referendariat bereits aufgrund Erwerb des juristischen Universitätsabschlusses.

Überdies wird im Referendariat für polnische Rechtsanwälte, polnische Rechtsberater, polnische Notare und Gerichtsvollzieher keine staatliche Vergütung gewährt. Der Referendar hat vielmehr eine Ausbildungsgebühr an die Berufsorganisation seines Berufsstandes (Rechtsanwaltskammer; Kammer der Rechtsberater) zu zahlen. 

Im Anwaltsreferendariat leistet der Referendar mehrere Ausbildungsstationen ab und hat wöchentliche Ausbildungseinheiten. 

Zudem arbeiten vielen Anwalts- oder Rechtsberaterreferendare in Kanzleien von Rechtsanwälten in Polen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass polnische Anwalts- oder Rechtsberaterreferendare keine Vergütung vom Staat erhalten, und somit selber für Ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen.

Dies hat - im Vergleich zu Deutschland die positive Folge, dass Referendare der Rechtsanwälte in Polen sehr viel früher Praxiserfahrung sammeln und in die Funktion der Kanzlei eines Rechtsanwalts in Polen Einblick erhalten.

Das Anwalts- oder Rechtsberaterreferendariat wird durch eine schriftliche Abschlussprüfung bestehend aus 5 Klausuren beendet. Das Bestehen der Abschlussprüfung berechtigt zur Aufnahme in die Berufsorganisation der Rechtsanwälte in Polen (Rechtsanwaltskammer, Kammer der Rechtsberater) und zur Ausübung des Berufs des polnischen Rechtsanwalts (Adwokat oder Radca Prawny).

Rechtsanwalt in Polen – zwei Berufsgruppen

Die rechtsvertretenden Berufe in Polen sind in zwei Berufsgruppen organisiert:

1. Polnische Rechtsanwälte (Adwokat, ca. 16 000)
2. Polnische Rechtsberater (Radca prawny, ca. 28 000)

Beide Gruppen haben auch getrennte berufsständische Organisationen: die polnischen Rechtsanwaltskammern und die polnischen Rechtsberaterkammern. 

Jede Berufsgruppe organisiert ihre eigene Referendarausbildung. Prüfungen werden getrennt geschrieben.

Der Unterschied erklärt sich historisch: 

Der polnische Rechtsberater entspricht funktionell etwa dem deutschen Justitiar, und ist eher der angestellte "Firmenanwalt", der nebenher auch seine eigene Praxis betreibt (und dabei auch im Unterschied zu Deutschland seinen Arbeitgeber vertreten darf). 

Der polnische Rechtsanwalt (adwokat) entspricht dem Bild des deutschen Rechtsanwalts. 

Bis vor kurzem bestand der Unterschied in der Betätigungsberechtigung beider Berufsgruppen darin, dass nur der Rechtsanwalt in Polen Strafverteidigung übernehmen durfte.

Diese Bevorzugung des Rechtsanwalts in Polen wurde nunmehr aufgehoben. Auch Rechtsberater dürfen nunmehr, wie polnische Rechtsanwälte, Strafverteidigungen übernehmen und familienrechtliche Angelegenheiten betreuen. 

Ein wichtiger Unterschied besteht aber fort:

Um die Funktion einen polnischen Rechtsanwalts (Adwokat) auszuüben, darf der polnische Rechtsanwalt (Adwokat) nicht in einem Arbeitsverhältnis stehen. Ein polnischer Rechtsanwalt (Adwokat) kann sich als nicht anstellen lassen, auch nicht in einer Kanzlei. Er kann mit einer Kanzlei allenfalls aufgrund eine Dienst-, Werk- oder Gesellschaftsvertrags zusammenarbeiten. 

Der polnische Rechtsberater darf seinen Beruf ausüben, auch wenn er durch Arbeitsverhältnis angestellt ist. Er darf in diesem Falle allerdings keine Strafverteidigungen übernehmen. Also nur der (vollkommen) selbständige Rechtsberater darf auch als Strafverteidiger agieren, wie der Rechtsanwalt in Polen (Adwokat). 

Aus der Sicht des deutschen Anwaltsrechts sind der Rechtsanwalt in Polen (Adwokat) als auch der polnische Rechtsberater (Radca Prawny) zur Berufsausübung in Deutschland gleichermaßen berechtigt. Sie dürfen vor deutschen Gerichten und Behörden auftreten, und zwar sowohl  im Rahmen einer vorübergehenden Dienstleistung als auch als in Deutschland niedergelassene Anwälte. Dabei müssen sie allerdings die in Polen übliche Berufsbezeichnung – also Adwokat oder Radca Prawny zu führen. Vor einigen deutschen Gerichten (z.B. Landgerichte oder Oberlandesgerichte) kann der polnische Rechtsanwalt oder Rechtsberater aber nur „im Einvernehmen“ mit einem deutschen Rechtsanwalt auftreten (§ 28 EuRaG).

Vergütung des Rechtsanwalts in Polen

Es gibt eine Vergütungsordnung für Rechtsanwälte in Polen. Die Gebührensätze wurden aber erst kürzlich abgesenkt, und sind nicht kostendeckend. 

Für die Tätigkeit des polnischen Rechtsanwalts ist deshalb die Vereinbarung eines Stundensatzes oder eine Pauschalvergütung üblich.

Auch Erfolgshonorare für die Tätigkeit des polnischen Rechtsanwalts sind möglich und üblich, wobei die Gebührenvereinbarung zwingend einen erfolgsunabhängigen Gebührenteil zu beinhalten hat.

Erstattungsfähigkeit der Kosten des Rechtsanwalts in Polen

Leider sind die Kosten der vorgerichtlichen Tätigkeit eines Rechtsanwalts in Polen nicht erstattungsfähig. Anders als in Deutschland hat der im Verzug stehende Schuldner nicht die Kosten des polnischen Anwalts etwa für eine anwaltliche Mahnung zu erstatten. Allerdings können Kosten der vorgerichtlichen Rechtsverfolgung in einem nachfolgenden Gerichtsverfahren als erstattungsfähig festgesetzt werden, falls das Gericht diese für erforderlich hält. Die Gerichtspraxis hierzu ist allerdings noch uneinheitlich.

In Gerichtsverfahren werden die Kosten des polnischen Rechtsanwalts / Rechtsberaters nach dem Umfang des Obsiegens (gänzlich bei vollkommenem Obsiegen; quotal bei teilweisem Obsiegen) der anderen Partei auferlegt. Allerdings nur in Höhe der gesetzlichen Gebühren. 

Da diese selten kostendeckend sind, kann der Mandant des polnischen Rechtsanwalts in der Praxis trotz Obsiegens in einem Rechtsstreit auf Kosten des Rechtsanwalts in Polen sitzen bleiben.

Anwaltszwang

Anwaltszwang besteht vor folgenden Gerichten in folgenden Verfahrensarten:

1. Zivilverfahren - Oberstes Gericht (Sad Najwyzszy)

2. Verwaltungsgerichtliche Verfahren - Höchstes Verwaltungsgericht (Naczelny Sad Administracyjny)

3. Strafverfahren - Revisionsverfahren, Berufungsverfahren gegen landgerichtliche Urteile, Wiederaufnahmeverfahren

4. Verfassungsklage - Verfassungsgericht (Trybunal Konstytucyjny) 

Vor diesen Gerichten bzw. in diesen Verfahren muss sich die Partei eines Rechtsstreits, bzw. Beteiligte eines Strafverfahrens zwingend von einem polnischen Rechtsanwalt oder polnischen Rechtsberater vor einem Gericht vertreten lassen.

Berufshaftpflichtversicherung des Rechtsanwalts in Polen

Es besteht für den Rechtsanwalt in Polen und den polnischen Rechtsberater die Pflicht zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung. 

In beiden Berufsgruppen wird die Berufshaftpflicht als Gruppenversicherung durch die Rechtsanwaltskammer bzw. Rechtsberaterkammer abgeschlossen. Die Beiträge werden im Rahmen der Kammergebühren eingezogen. Hierdurch ist sichergestellt, dass jeder polnische Rechtsanwalt oder polnische Rechtsberater eine Berufshaftpflichtversicherung hat.

Die so gewährleistete Mindestdeckungssumme für die Berufshaftpflicht des Rechtsanwalts in Polen beträgt 50 000 EUR.

Dieser Betrag kann aber kammerintern oder durch eine außerhalb der Kammer abzuschließende Zusatzversicherung erhöht werden.

Guido Reker
Guido Reker

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